Mata Hari by Enrique Gomez Carrillo

Mata Hari by Enrique Gomez Carrillo

Author:Enrique Gomez Carrillo [Carrillo, Enrique Gomez]
Format: epub
Tags: Biographie
Publisher: TUX
Published: 2009-11-28T14:00:00+00:00


Dieses Dokument, auf den ersten Blick ein heller Strahl in das düstere Geheimnis von Mata Haris Schuld, kann im Gegenteil nur dazu beitragen, es noch mehr zu verdunkeln. Kann man annehmen, daß eine intelligente Frau, jedenfalls eine Frau, die nicht verrückt ist, mit Gewalt in die Mausefalle rennt, wenn alle ihre Bekannten, einschließlich die offiziellen Vertreter ihres Landes, sie von dem Verdacht, der auf ihr lastet, rechtzeitig benachrichtigen? Sie hat, könnte man vielleicht sagen, den Worten des holländischen Diplomaten nur eine ganz nebensächliche Bedeutung beigelegt und sie als einen Rat genommen, der allen um einen Paß Bemühten mit auf den Weg gegeben wird. Gut. Aber man beachte, daß ein Madrider Journalist, Ezequiel Endriz, bereits im Liberal unter dem Titel: Die Dame im Hermelin, eine ganze Artikelreihe veröffentlicht hatte, worin er die Beziehungen zwischen dem Chef der deutschen Spione in Madrid und der im Ritzhotel abgestiegenen Tänzerin streift. Es könnte ja nun noch möglich sein, diese Artikel wären ihr gar nicht zu Gesicht gekommen, so weit will ich gehen, aber ...

Seltsam jedenfalls, daß weder Mata Hari noch ihr Verteidiger diese Rückkehr nach Paris als einen Indizienbeweis für ihre Unschuld vorbringen. An Clunets Stelle in diesem erschütternden Fall hätte höchstwahrscheinlich mein Gewissen mich gezwungen, den Mitgliedern des Kriegsgerichts folgendes zu sagen: »Beachten Sie wohl, meine Herren, daß diese Frau im Augenblick, wo sie nach Frankreich zurückkehrt, nicht in Unkenntnis ist über den Verdacht, der auf ihr lastet; wenn dieser Verdacht nicht grundlos gewesen wäre, wenn sie nicht ein ruhiges Gewissen gehabt, nicht geglaubt hätte, genügend Beweise ihrer Freundschaft für unser Land gegeben, brennend unseren Sieg gewünscht zu haben, den Sieg der Armee, worin der einzige Mann, den sie geliebt und für den sie sich aufgeopfert hat, kämpfte, was wäre ihr leichter gefallen, als auf die weisen Ratschläge zu hören? Meine Herren, erinnern Sie sich bitte daran, was Victor Hugo gesagt hat: »Wollte man mich anklagen, die Türme von Notre-Dame gestohlen zu haben, ohne geneigt zu sein, mir das klipp und klar zu beweisen, würde ich vor der Polizei schleunigst Reißaus nehmen.« Mata Hari, eines ähnlich phantastischen Verbrechens angeklagt, glaubte am besten zu handeln, wenn sie, anstatt das Weite zu suchen, an den Ort der Gefahr eilte, um so ihre Unschuld zu beweisen.« Aber der berühmte Advokat, der die schrecklich ernste Ehre dieser Verteidigung auf sich lud, zieht es vor, sein ganzes Vertrauen in die Wichtigkeit der Zeugenaussagen zu setzen, die für die Bajadere günstig ausfallen mußten. Minister und Gesandte ziehen in langer Reihe an der Schranke vorüber, um die Unschuld dieser Frau zu beglaubigen; überdies ist es für niemand ein Geheimnis, daß dieser große Jurist, strenger Schiedsrichter in Streitfällen zwischen den Nationen und unbestrittener Meister des Advokatenstandes wie so viele andere diesem ungewöhnlichen Weibe ins magische Netz ging, dieser Circe, deren Reizen kein Sterblicher den Widerstand eines Odysseus entgegengesetzt zu haben scheint, und er glaubt sicher, mit seinen Fähigkeiten sie retten zu können ... Unglaublich groß ist die Zahl der Geliebten von Namen und Rang, die Mornay der Tänzerin vorwirft! Ich meine



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